Kaum eine Band hat sich in den letzten Jahren so beeindruckend gesteigert wie Wet Leg. Als sie 2022 noch im Münchner Milla spielten, wirkten sie im Vergleich zu heute fast brav – charmant, aber noch etwas zurückhaltend. Nun, keine drei Jahre später, ist von Zurückhaltung nichts mehr zu spüren.
Schon im Vorfeld war klar, dass die Nachfrage riesig ist: Das Konzert war seit Monaten restlos ausverkauft, doch logistische Gründe verhinderten einen Umzug in eine größere Venue. Entsprechend dicht gedrängt und erwartungsvoll war das Publikum, als der Support Faux Real die Bühne betrat – eine Art skurriles Performance-Duo, das mit tänzerischen Einlagen und exzentrischer Bühnenpräsenz wirkte, als kämen sie direkt vom Cirque du Soleil.
Dann viel Nebel, grelles Licht – und Wet Leg. Frontfrau Rhian Teasdale stürmte auf die Bühne, selbstbewusst, kraftvoll, fast kämpferisch – und zeigte gleich zu Beginn symbolisch ihre Muskeln. Neben ihr, wie gewohnt etwas zurückhaltender, Hester Chambers, die mit stoischer Ruhe und präzisem Gitarrenspiel den perfekten Kontrapunkt bildet.
Das neue Album hat den beiden spürbar Energie und Selbstvertrauen gegeben. Die Songs klingen druckvoller, das Zusammenspiel tighter, und die Live-Präsenz ist nun endgültig auf einem Level, das man von einer Band mit noch nicht einmal zwei Alben kaum erwarten würde. Wet Leg sind erwachsen geworden – ohne ihren anarchischen Charme zu verlieren.

Wet Leg + Faux Real
07.11.2025 | Theaterfabrik | München
© t u n e a r t / Käthe deKoe