Disarstar

Kurz vor Beginn des Konzerts reichte die Schlange vor der TonHalle noch zwei Häuser weiter – ein erstes Zeichen dafür, dass dieser Abend mehr werden würde als ein gewöhnlicher Rap-Gig. Ohne Support-Act, dafür mit DJ und Schlagzeuger im Rücken, stand Disarstar nach dem Fall des Vorhangs plötzlich auf der Bühne und machte von Beginn an klar, worum es ihm geht: Nähe, Gemeinschaft und Menschlichkeit.

Er beschrieb die Atmosphäre augenzwinkernd als eine große Hausparty und forderte das Publikum auf, sich gegenseitig zu begrüßen – die Menschen vor, hinter und neben sich sollten sich vorstellen, vielleicht entstehe ja sogar eine Freundschaft. Was leicht kitschig hätte wirken können, wurde mit spürbarer Freude angenommen. Lächelnde Gesichter, kurze Gespräche, ehrliche Offenheit: Für einen Moment fühlte sich der volle Saal tatsächlich wie ein gemeinsamer Raum an, nicht wie eine anonyme Konzertmasse.

Diese Haltung zieht sich konsequent durch Disarstars Musik und Auftreten. Er steht für Menschlichkeit und klare politische Positionen – zuletzt auch in Interviews, in denen er sich deutlich gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht aussprach. Seine kompromisslose Ablehnung von Faschismus ist ebenso Teil seiner Identität wie sein Einsatz für gesellschaftlich Ausgegrenzte. Mit „Siamo Tutti“ hat er eine Hymne geschaffen, die Solidarität über Grenzen hinweg beschwört. Gleichzeitig kritisiert er offen Maßnahmen gegen obdachlose Menschen, etwa das Anbringen von Metallhalterungen auf öffentlichen Bänken, die verhindern sollen, dass dort geschlafen wird.

All das machte den Abend in der TonHalle zu mehr als nur einem Konzert. Disarstar nutzte die Bühne nicht nur für Beats und Texte, sondern als Ort des Austauschs und der Haltung. Rap wurde hier zur Einladung: hinzuschauen, miteinander zu sprechen und Verantwortung füreinander zu übernehmen – zumindest für die Dauer eines Abends, der noch lange nachhallte.

04.02.2026 | TonHalle | München

© t u n e a r t / Käthe deKoe