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The Last Dinner Party

Als Support-Act eröffnete Sunday (1994) den Abend – oder besser gesagt: versuchte es. Gleich beim ersten Song kam es zu gleich zwei technischen Pannen. Statt Verunsicherung gab es jedoch Gelächter. Mit viel Charme kommentierte die Band die Aussetzer und schob sie augenzwinkernd darauf, dass man zum ersten Mal in München sei – und am Vorabend vielleicht ein Bier zu viel getrunken habe. Das Eis war sofort gebrochen.

Danach legten sie richtig los: eingängiger, moderner Pop mit schimmernden Melodien, der stellenweise an Sabrina Carpenter erinnerte. Ein sympathischer Auftakt, der das Publikum bestens einstimmte.

or anderthalb Jahren spielten The Last Dinner Party ihr München-Debüt mit dem ersten Album Prelude to Ectasy in der ausverkauften Tonhalle München. Nun kehrten sie mit ihrem zweiten Werk From the Pyre zurück – dieses Mal ins deutlich größere Zenith. Ganz gefüllt war die Halle nicht, doch das spielte letztlich keine Rolle. Wer da war, war voll und ganz da. Die Stimmung: gelöst, glücklich, frei.

Schon beim Betreten der Bühne wurde klar, dass hier nicht gekleckert, sondern geklotzt wird.

Die Szenerie war pompös, mit deutlichen Anleihen an Barock und viktorianische Ästhetik: ein wallender Rauschvorhang, Bordüren an den Seiten, ein großer Torbogen mit Glocke und darüber – beinahe theatralisch – Krähen, die von der Decke blickten. Das Bühnenbild wirkte wie ein opulentes Gemälde, irgendwo zwischen düsterem Märchen und dramatischem Theaterstück.

Doch so beeindruckend das Setting war – es verblasste fast neben der Bühnenpräsenz der Band. Jedes einzelne Mitglied strahlte Intensität aus, spielte mit Haltung und einer fast dramatischen Überhöhung. Besonders jedoch Frontfrau Abigail Morris zog alle Blicke auf sich.

Noch am Abend zuvor war sie als Gast im Ampere aufgetreten und hatte gemeinsam mit Adam Green ein Duett von Leonard Cohen interpretiert – ein bemerkenswerter Kontrast zum theatralischen Indie-Rock ihrer eigenen Band. Doch gerade diese Vielseitigkeit unterstreicht ihre Ausnahmestellung.

Allein ihre Bewegungen – zwischen zerbrechlicher Eleganz und kontrollierter Ekstase – machen The Last Dinner Party einzigartig. Ihre Stimme changiert mühelos zwischen zarter Intimität und dramatischer Wucht. Sie singt nicht nur, sie inszeniert jede Zeile.

Am Ende war es ein Abend, der zeigte: Eine nicht komplett gefüllte Halle ist kein Maßstab für Größe. Größe entsteht durch Atmosphäre, durch Hingabe – und durch Künstlerinnen wie Abigail Morris, die mit jeder Geste beweisen, dass Pop auch großes Theater sein kann.

16.02.2026 | Zenith | München

© t u n e a r t / Käthe deKoe

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