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Agnostic Front

Draußen tobte ein wildes Schneetreiben, dicke Flocken wirbelten durch die kalte Nacht und verwandelten die Straßen in eine weiße Kulisse. Drinnen im Backstage hingegen herrschte Ausnahmezustand: heiße Moshpits, schweißnasse Shirts und eine Energie, die jeder Minus-Temperatur trotzte.

Mit Wisdom In Chains und Raw Brigade als Supports war der Abend schon früh auf Betriebstemperatur. Beide Bands lieferten kompromisslose Sets ab und bereiteten dem Publikum genau den Boden, den es für das anschließende Hardcore-Urgestein brauchte. Die Stimmung war von Beginn an aufgeheizt, die ersten Circle Pits drehten sich bereits, noch bevor der Headliner die Bühne betrat.

Als dann Agnostic Front die Bühne stürmten, wurde klar: Legendenstatus bedeutet hier kein bisschen Altersmilde. Kaum zu glauben, dass sich die Band Anfang der 80er Jahre gegründet hat – die Energie, mit der Frontmann Roger Miret und seine Mitstreiter über die Bühne fegten, erinnerte eher an eine Horde Teenager als an Szene-Veteranen. Jeder Song ein Statement, jeder Refrain eine kollektive Kampfansage, lautstark mitgebrüllt von einer generationsübergreifenden Crowd.

Ein besonderes Highlight des Abends war der Moment, als ausschließlich Frauen auf die Bühne gebeten wurden. Was folgte, war ein kraftvolles Zeichen für Zusammenhalt und Respekt innerhalb der Szene – und natürlich ein wilder Schwung Stage Diving, der das Backstage endgültig zum Kochen brachte. Euphorie, Gemeinschaft und Chaos verschmolzen zu einem dieser magischen Hardcore-Momente, die man nicht plant, sondern erlebt.

Für zusätzlichen Nostalgie-Faktor sorgte das Cover von Blitzkrieg Bop. Der Klassiker wurde in bester NYHC-Manier durch den Verstärker gejagt – schneller, härter, dreckiger. Das Publikum dankte es mit einem noch intensiveren Pit, während „Hey Ho, Let’s Go“ durch die Halle schallte.

Unvergessen bleibt auch die Aktion von Gitarrist Vinnie Stigma: Mitten im Set begab er sich in die Mitte der Halle und spielte dort weiter, umringt von einem sich drehenden Circle Pit. Während um ihn herum die Menge kreiste, stand er grinsend im Auge des Sturms – ein Bild, das sinnbildlich für diesen Abend steht. Nähe zur Crowd ist hier keine Floskel, sondern gelebte Realität.

Am Ende war klar: Während draußen der Winter wütete, brannte drinnen ein Hardcore-Feuer, das selbst den stärksten Schneesturm vergessen ließ. Agnostic Front bewiesen einmal mehr, warum sie zu den unerschütterlichen Säulen des New York Hardcore zählen – laut, leidenschaftlich und mit einer Spielfreude, die Jahrzehnte überdauert.

19.02.2026 | Backstage | München

© t u n e a r t / Käthe deKoe

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