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Fuzz Club Festival 2026

Wieder einmal pilgerten Psychedelic-Freunde aus aller Welt nach Eindhoven zum Fuzz Club Festival. Schon beim Betreten des Effenaar wurde deutlich, weshalb sich dieses Festival in den vergangenen Jahren einen beinahe legendären Ruf erspielt hat. Das Publikum war ebenso international wie die Künstler*innen auf den Bühnen: unterschiedlichste Sprachen vermischten sich in den Gängen, vor den Bars und draussen vor der Halle, während drinnen bereits die ersten dröhnenden Basslinien durch die Räume waberten. Das Effenaar selbst bleibt dabei eine nahezu perfekte Location für ein Festival dieser Art – hervorragender Sound, eindrucksvolle Lichtinstallationen und genau die richtige Mischung aus Club-Atmosphäre und Konzertsaal. Lediglich die riesigen Stufen zwischen den Ebenen wirken nach einigen Stunden wie eine kleine psychedelische Mutprobe.

Besonders faszinierend bleibt aber das Publikum des Festivals. Auffällig viele Frauen waren vor Ort, viele davon alleine angereist, ganz offensichtlich nur für die Musik. Während auf den Bühnen noch immer deutlich mehr Männer stehen, herrscht im Publikum eine bemerkenswert offene und respektvolle Atmosphäre. Anders als bei vielen Rockfestivals geht es hier kaum um Exzess oder körperliche Eskalation. Es wird selten gepogt, kaum gedrängelt oder laut dazwischen gerufen. Stattdessen stehen die Menschen beinahe andächtig vor den Bühnen und hören konzentriert zu, als wolle niemand auch nur eine einzige Note verpassen. Genau darin liegt vielleicht die besondere Magie dieses Festivals: Hier treffen sich keine Eventbesucher*innen, sondern echte Musikliebhaber*innen.

Dabei hätte beinahe jede Band des Wochenendes eine eigene Erwähnung verdient. Dennoch gab es einige Auftritte, die sich besonders tief ins Gedächtnis brannten. Die portugiesische Band Travo entwickelte einen hypnotischen Sog zwischen getränkten Gitarrenwänden und stoischer Motorik, der das Publikum langsam aber unaufhaltsam in Trance versetzte. Noch intensiver wurde es später mit Flying Moon in Space aus Leipzig. Ihr Auftritt war weniger ein gewöhnliches Konzert als vielmehr ein akustischer Ausnahmezustand. Die Band türmte Schicht um Schicht aus Lärm, Drone, Krautrock und Space-Psych übereinander, bis sich der gesamte Raum in ein vibrierendes Klangfeld verwandelte. Die Energie war derart überwältigend, dass man hinterher tatsächlich das Gefühl hatte, erst einmal meditieren zu müssen, um wieder im Alltag anzukommen.

Einen ganz besonderen Moment lieferten schließlich am nächsten Tag Dead Skeletons aus Island. Bereits die Geschichte rund um ihren Auftritt passte perfekt zur mystischen Aura der Band: Während die Musiker selbst rechtzeitig in Eindhoven ankamen, blieben ihr gesamtes Equipment und ihr Merchandise irgendwo auf dem Reiseweg hängen. Kurzerhand half ihnen die Band Helicon mit Instrumenten und Ausrüstung aus. Dass Dead Skeletons überhaupt wieder auf einer Bühne standen, grenzte ohnehin fast an ein kleines Wunder. Nach über zehn Jahren ohne Konzerte hatten sie erst vor einem Jahr ein Comeback gefeiert.

Der Auftritt selbst wirkte schließlich weniger wie ein Konzert als vielmehr wie ein okkultes Ritual. Nebel der Duftkerzen zog durch den Raum, monotone Rhythmen hämmerten sich tief ins Bewusstsein und die düsteren Visuals verstärkten die tranceartige Stimmung zusätzlich. Während die Band ihre schweren, mantraartigen Songs spielte, begann der Sänger auf der Bühne live ein Bild zu malen: den ikonischen Totenkopf, der einst zahlreiche Veröffentlichungen des Fuzz Club Labels zierte. Ein symbolträchtiger Moment, der Vergangenheit und Gegenwart des Labels miteinander verband und den Auftritt endgültig zu etwas Besonderem machte. Als die letzten Töne verklangen, blieb für einige Sekunden beinahe ehrfürchtige Stille im Raum, bevor sich das Publikum langsam wieder in die Realität zurückbewegte.

01.-02.05.2026 | Effenaar | Eindhoven

© t u n e a r t / Käthe deKoe

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