Ein ausverkauftes Strom, verschwitzte Wände, maximale Vorfreude – und ein Abend, der in Erinnerung bleibt. Team Scheisse spielten ein reines FLINTA*-Konzert. Keine Cis-Männer im Raum – und das war weit mehr als ein symbolischer Akt.
Von der ersten Minute an war spürbar: Eine unsichtbare Angst war verschwunden. Dieses latente Gefühl von Vorsicht, das sonst oft mitschwingt, existierte hier nicht. Stattdessen pure Ausgelassenheit. Menschen tanzten, pogten, schrien Texte mit – ohne sich selbst permanent kontrollieren zu müssen. Die Energie war frei, solidarisch, fast zärtlich in ihrer Rücksichtnahme.
Auch die Support-Band Cava sprach genau darüber. Im Laufe der Tour hätten sie gemerkt, wie besonders solche Abende seien: keine Bedenken, keine abwertenden Kommentare, keine Grenzüberschreitungen. Einfach Musik und Bewegung. Ein Raum, in dem man sich selbstverständlich sicher fühlt.
Schon vor dem ersten Ton war klar, dass es hier nicht nur um Sound geht. Die Bühne war geschmückt mit selbstgemalten Bannern und Laken – ironische Spitzen gegen Kapitalismus und die aktuelle Politik. Alles wirkte bewusst unperfekt, DIY im besten Sinne, Stoffbahnen mit Haltung.
Die Kritik war direkt, aber nie platt. Zwischen den Songs warf die Band immer wieder Bemerkungen ein, die die Botschaften der Banner aufgriffen. Es ging um soziale Ungleichheit, um rechte Tendenzen, um politische Müdigkeit – und um Widerstand. Punk eben, nicht als Pose, sondern als Praxis.
Musikalisch lieferten Team Scheisse wie gewohnt ab. Druckvoll, tight, humorvoll. Das letzte Konzert in der großen Muffathalle war ebenfalls großartig – aber Punk entfaltet seine Intensität im kleinen Raum noch unmittelbarer. Im Strom klebte die Energie an der Decke. Jede Gitarrenlinie vibrierte direkt durch die Menge.
Der Humor durfte natürlich nicht fehlen. Beim Verteilen des legendären Obstkorbs ins Publikum warnte Mello Kanone: „Vorsicht, eines ist vergiftet – mit Senf.“ Ein absurder Satz, der sofort Lachen auslöste. Der Schlagzeuger setzte noch einen drauf: „Da ist man endlich mal an einem sicheren Ort, um keine Angst zu haben, irgendwas in einen Drink zu bekommen – und dann sowas.“
Das Gelächter war laut – vielleicht auch, weil die Ernsthaftigkeit hinter dem Witz allen bewusst war.
Besonders aufregend: Zwei neue Songs fanden ihren Weg ins Set – möglicherweise sogar Premieren. Happy End fühlte sich fast wie eine Hymne an. Euphorisch, kollektiv mitsingbar, mit dieser Mischung aus Pathos und Ironie, die live sofort trägt. Freibadpommes dagegen blieb im gewohnt rotzigen Stil – schnell, direkt, mit augenzwinkernder Gesellschaftsbeobachtung.
Wenn das ein Vorgeschmack auf ein kommendes Album ist, darf man sich jetzt schon freuen.
Fazit:
Ein Konzert, das mehr war als ein Konzert. Ein Schutzraum, ein politisches Statement, ein Abend voller Humor und Haltung. Team Scheisse zeigen, dass Punk gleichzeitig empowernd, klug und hemmungslos spaßig sein kann – besonders dann, wenn er im kleinen Club gespielt wird und die Botschaft auf selbstbemalten Laken von der Bühne weht.

































24.02.2026 | Strom | München
© t u n e a r t / Käthe deKoe






