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SPRINTS

Nach einem politisch hochemotionalen Wochenende in München – in dem buchstäblich eine Stunde vor Konzertbeginn feststand, dass ein neuer grüner Bürgermeister die Stadt führen wird – und überschattet von den unfassbaren, sprachlos machenden Ereignissen rund um Collien Ulmen-Fernandes, fühlte sich dieser Sonntagabend wie ein dringend benötigtes Gegengewicht an. Musik als Ventil, als kollektives Durchatmen.

Umso passender, dass an diesem Abend keine rein männlich dominierte Bühne wartete. Stattdessen eröffnete die junge Band Marathon aus Amsterdam für Sprints – eine Support-Wahl, die sofort zündete. Marathon brachten eine rohe, energiegeladene Dringlichkeit mit, die das Publikum ohne Umwege in Bewegung versetzte.

Als Sprints schließlich übernahmen, wurde schnell klar, wie sehr sich die Band in den letzten zwei Jahren entwickelt hat. Im Vergleich zu ihrem Auftritt im Feierwerk wirkten sie nun routinierter, fokussierter, gleichzeitig aber auch ausgeglichener – ohne dabei an Intensität zu verlieren. Dass sie inzwischen auch das Strom ausverkaufen, erscheint da nur folgerichtig.

Jeder einzelne Song hatte Wucht. Die Stücke sind dicht, direkt und tragen eine erzählerische Kraft in sich, die insbesondere aus weiblicher Perspektive bemerkenswert präzise und eindringlich formuliert ist. Es sind Songs, die nicht nur gehört, sondern körperlich gespürt werden wollen.

Und genau das passierte: Der Abend war ein einziger, ununterbrochener Energieschub. Stillstehen war keine Option – stattdessen wurde durchgehend gehüpft, getanzt, losgelassen. Für ein paar Stunden war all das, was draußen passiert, zumindest ein Stück weit in den Hintergrund gerückt.

22.03.2026 | Strom | München

© t u n e a r t / Käthe deKoe

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