Schon beim Support wurde klar, dass dieser Abend keine ruhige Angelegenheit werden würde. Die drei jungen Männer von Gans aus Birmingham rissen das Publikum vom ersten Ton an mit. Eine rohe Wucht und ungebändigte Energie entlud sich von der Bühne, als gäbe es kein Morgen. Jeder Song ein Aufruf zur Bewegung, immer wieder das animierende Signal: springen, loslassen, einfach Teil dieses Moments sein. Spätestens als die Band am Ende ihres Sets ins Publikum ging und gemeinsam mit der Menge die letzten Zeilen hinausschrie, war klar, warum sie bereits mit Acts wie Soft Play, Pixies und nun The Vaccines auf Tour waren.
Im Publikum machte während der Umbaupause eine Frage die Runde: Wann waren The Vaccines eigentlich das letzte Mal in München? Die vage Erinnerung – vor etwa 13 Jahren. Eine Ewigkeit, die an diesem Abend förmlich in der Luft hing.
Dann betraten die Briten selbst die Bühne der Muffathalle – stilvoll gekleidet, fast elegant, vor einem wallenden Vorhang, der den Auftritt wie eine kleine Inszenierung wirken ließ. Was folgte, war ein Hitfeuerwerk ohne große Umwege. Kaum Ansagen, kaum Pausen – stattdessen reihte sich ein bekannter Song an den nächsten, als wollten sie die verlorene Zeit der letzten Jahre in einem einzigen Konzert aufholen.
Frontmann Justin Young hatte dabei eine bemerkenswerte Präsenz. Es wirkte, als würde er jeden einzelnen im Raum direkt ansprechen, als wäre jeder Song eine persönliche Widmung. Wenn er zwischen den Stücken doch sprach, dann mit ehrlicher Dankbarkeit – für den Weg der Band, für die Möglichkeit, hier zu stehen, und ganz besonders für das Münchner Publikum.
Man konnte sich des Gedankens kaum erwehren: Hätten sie sich früher wieder blicken lassen, München hätte ihnen wohl noch viel mehr gegeben. Gleichzeitig schwang Hoffnung mit, als Young erwähnte, dass die Band in wenigen Tagen nach Los Angeles reist, um ein neues Album aufzunehmen.
Ein Versprechen lag in diesem Satz – unausgesprochen, aber deutlich spürbar: Vielleicht dauert es diesmal keine 13 Jahre mehr.

15.04.2026 | Muffathalle | München
© t u n e a r t / Käthe deKoe