Turbobier – Das Leben is ein Oaschloch

Label: Pogo’s Empire/Sony Music

VÖ: 01.05.2026

Wenn die Jungs von Turbobier ihr mittlerweile fünftes Album raushauen, dann gehört sich das natürlich rezensiert – eh klar. Da wir hier aber ein visuelles Musikmagazin sind, machen wir das einzig Richtige: Wir ignorieren konsequent jeden einzelnen Song und starren erstmal nur aufs Cover. So, als hätten wir noch nie auch nur eine Sekunde daraus gehört. Kunstkritik-Level: over 9000.

Was sehen wir also?
Ein Gebäude, irgendwo zwischen „solider Plattenbau“ und „hat schon einiges erlebt“. Vier Doppelfenster im oberen Bereich, weiß gestrichen – wobei „weiß“ hier eher ein Vorschlag als ein Zustand ist. Regen, Zeit und vermutlich auch das Leben selbst haben ihre Spuren in den Fassadenrillen hinterlassen. Unten: ein unspektakulärer Hauseingang mit einer tapferen Lampe darüber, daneben Türen, die entweder Müll oder Elektrik beherbergen – oder beides gleichzeitig, wer weiß das schon so genau.

Die Fenster rechts wirken verschlossen, links dagegen passiert’s: Ein gekipptes Fenster, aus dem sich eine ältere Dame lehnt. Kurze Haare, bunt gemustertes Oberteil, eine Zigarette lässig in der Hand. Sie schaut raus, so wie man halt rausschaut, wenn man schon viel gesehen hat – und noch mehr zu erzählen hätte, wenn man wollte.

Zwischen Fenster und Eingang prangt in handschriftlicher Schrift der Albumtitel: „Das Leben is ein Oaschloch“. Subtil wie ein Ziegelstein durchs Fenster. Passt.

Und was sagt uns das jetzt?
Diese Dame gibt’s überall. Wirklich überall. Egal ob in Wien, München, Athen oder irgendwo dazwischen. Jeder kennt sie – aber selten aus den Villenvierteln. Das ist die Sorte Mensch, die das Leben nicht nur kennengelernt hat, sondern mit ihm schon mehrmals im Ring stand. Und verloren? Vielleicht. Aber nie kampflos.

Ihre Wohnung? Wahrscheinlich ein buntes Sammelsurium aus Erinnerungen, Mitbringseln und „Das werf ich sicher nicht weg!“-Deko. Jeder Kratzer im Leben ein neues Accessoire. Und trotzdem: Da ist Genuss. Die Zigarette, vielleicht ein Gläschen Eierlikör, sicher aber ein Sinn für die kleinen Freuden. Die Kleidung laut, das Leben auch – und beides irgendwie trotzig.

Was lässt sich daraus musikalisch ableiten?
Überraschend viel, wenn man sich das schön zurechtdenkt: Dieses Album richtet sich an alle, die schon mal vom Leben eine gewatscht bekommen haben – und danach beschlossen haben, sich trotzdem noch ein Bier aufzumachen. Oder zwei.

Ja, es wird geschunkelt. Ja, es wird gelacht. Und ja, es wird auch mal kurz festgestellt, dass das Leben eben ein ziemliches Oaschloch sein kann. Der Titelsong bringt genau das auf den Punkt, während Tracks wie „Radikale BierschützerInnen“ mit Wortspielen um sich werfen, dass man beim ersten Hören noch denkt „jo eh nett“ und beim dritten Mal plötzlich merkt, wie clever das eigentlich ist – inklusive unaufgeregtem Gendern, das einfach da ist, ohne großes Tamtam.

Überhaupt: Das ist so ein Album, das sich einschleicht. Erst läuft’s nebenbei, dann bleibt man hängen, und irgendwann entdeckt man zwischen den Zeilen kleine Geschichten.

Und wie immer gilt: So richtig Sinn ergibt das Ganze wahrscheinlich erst live. Zum Mitsingen, Mitgrölen, Mitfühlen. Praktischerweise ist genau das auch der Plan – Tourstart in Deutschland, später dann Heimspiel in Österreich.

Fazit?
Das Cover sagt schon alles: Das Leben ist kein Ponyhof, aber mit der richtigen Playlist und einem Getränk in der Hand lässt sich selbst das ganz gut aushalten.