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Holy Fuck

Schon der Support im Import Export machte klar, dass dieser Abend weniger mit klassischem Songwriting als mit Klangexperimenten zu tun haben würde. Rattle, bestehend aus zwei Frauen an zwei Schlagzeugen, gaben sozusagen den Ton an. Mit beeindruckender Präzision und Energie entwickelten sie aus ihren Percussion-Instrumenten einen Sound, der weit über das hinausging, was man von zwei Schlagzeugen zunächst erwarten würde. Ein Auftakt, der gleichzeitig rhythmisch und kompromisslos war – und ziemlich gut auf das vorbereitete, was danach kommen sollte.

Dann kam Holy Fuck.

Und Holy Fuck hatte man den ganzen Abend über immer wieder im Kopf. Holy Fuck, sind die gut. Holy Fuck, was war das gerade? Holy Fuck, ist das laut. Und vor allem: Holy Fuck, was für ein Utensil wird jetzt als Nächstes angeschlossen?

Optisch bestand die Band eigentlich vor allem aus Kabeln. Kabel, Verstärker, Pedals und allerlei Gerätschaften, bei denen man sich zwischendurch durchaus fragen durfte, ob man gerade ein Konzert oder eine ziemlich ausgeklügelte Werkstattinstallation beobachtet. Doch genau darin lag die Faszination: Holy Fuck zeigten eindrucksvoll, was sich mit Verstärkern, Effektgeräten und Pedals alles anstellen lässt, wenn man nicht unbedingt daran interessiert ist, Musik nach den üblichen Regeln zu machen.

Teilweise war das allerdings auch ziemlich laut. Sehr laut. Trotz Ohrenschutz bewegte sich der Sound stellenweise an der persönlichen Schmerzgrenze. Und gleichzeitig war genau diese Lautstärke ein Teil des Erlebnisses. Besonders faszinierend wurde es, wenn man versuchte, die Ohren noch ein kleines bisschen stärker zu schützen und beispielsweise die Ohrschützer fester an drückte. Plötzlich tauchten Geräusche und Töne auf, die zuvor im großen Klangbild untergegangen waren. Kleine Details, Nebengeräusche, Schichten, die sich erst bemerkbar machten, wenn man den Gesamtpegel ein wenig herausfilterte.

Überhaupt war Schichtung ein gutes Stichwort für diesen Abend.

In der Malerei gibt es die Lasurtechnik: mehrere transparente Farbschichten werden übereinandergelegt, sodass sich daraus eine Tiefe und Farbwirkung entwickelt, die mit einer einzigen Schicht gar nicht entstehen könnte. Holy Fuck schienen dieses Prinzip auf Musik übertragen zu haben. Ein Klang legte sich über den nächsten, ein Rhythmus über ein Geräusch, ein Effekt über einen anderen Effekt. Nichts stand wirklich für sich allein – und trotzdem war jedes einzelne Element wichtig für das Gesamtbild.

So entstand Musik, die sich ständig veränderte, verdichtete und wieder auflöste. Man konnte kaum vorhersehen, welches Geräusch als Nächstes auftauchen würde oder welches unscheinbare Gerät plötzlich zum entscheidenden Instrument wurde.

Holy Fuck machten aus Kabeln Musik, aus Pedals Klanglandschaften und aus mehreren Schichten ein ziemlich beeindruckendes akustisches Gesamtbild.

Holy Fuck – was für ein Abend.

07.10.2026 | Import Export | München

© t u n e a r t / Käthe deKoe

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