Grandmas House

Montagabend, und schon wieder die Qual der Wahl: Bei so vielen Konzerten, die gleichzeitig um Aufmerksamkeit buhlen, fällt die Entscheidung nicht gerade leicht. Zum Glück fiel sie diesmal auf Grandmas House, die im kleinen Substanz ihr Debütalbum „Baby, You’re a Winner“ präsentierten. Ein Abend, der schon nach den ersten Tönen klar machte, dass diese Entscheidung goldrichtig war.

Einen Support gab es nicht, dafür ging es pünktlich um 20 Uhr los. Keine unnötige Wartezeit, kein langes Herumstehen – einfach vier Frauen aus Bristol, ihre Instrumente und jede Menge Post-Punk. Und schon mit dem ersten Song war dieses Gefühl da, weswegen man so gerne auf Konzerte geht: Man hat sofort Lust auf mehr, grinst vor sich hin und weiß, dass man gerade am richtigen Ort ist.

Grandmas House beweisen eindrucksvoll, dass Post-Punk keineswegs eine Männerdomäne sein muss. Wer immer noch glaubt, dass in diesem Genre nur Männer mit ernster Miene ihre Instrumente malträtieren dürfen, bekommt hier eine ziemlich charmante Lektion erteilt. Die vier Musikerinnen verbinden kantige Gitarren, treibende Rhythmen und eine ordentliche Portion Attitüde mit einem Humor, der mindestens genauso viel Spaß macht wie ihre Musik. Dabei nehmen sie sich selbst nicht allzu ernst – und genau das macht sie so sympathisch.

Optisch erinnern die Outfits der Band ein wenig an Schuluniformen, was unweigerlich Assoziationen zur irischen Serie Derry Girls weckt. Und tatsächlich scheint auch der Humor aus einer ähnlichen Ecke zu kommen: trocken, selbstironisch, herrlich beiläufig und immer mit einem Augenzwinkern. Das Tourleben sei schließlich anstrengend und mache müde. Manchmal habe man das Gefühl, ein ganzer Raum sei voller Menschen, obwohl es eigentlich nur drei seien – oder war es doch genau andersherum? So ganz sicher ist man sich bei dieser Art von Tourwahnsinn nicht. Aber genau darum geht es: Die Geschichten müssen nicht immer logisch sein, solange sie unterhalten.

Auch beim Song „Grief“ gibt es einen dieser Momente, die einem noch lange nach dem Konzert ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Die Schlagzeugerin kommt nach vorne, und plötzlich wird sie mit einem Kommentar bedacht, der irgendwo zwischen kindischem Quatsch und britischem Humor liegt: „Schaut mal, sie hat auch Beine!“ Ein völlig absurder Einwurf, der gerade deshalb funktioniert, weil niemand versucht, daraus etwas Bedeutungsvolles zu machen. Bei Grandmas House darf es einfach albern sein. Und das ist herrlich erfrischend.

Überhaupt ist es schön, wie viel Leichtigkeit an diesem Montagabend im Substanz herrscht. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch davor. Das Publikum begegnet sich mit einer Selbstverständlichkeit und gegenseitigen Rücksichtnahme, die man sich bei jedem Konzert wünschen würde. Es wird getanzt, gelacht und gemeinsam gefeiert, ohne dass jemand den anderen den Platz streitig machen muss. Man spürt, dass hier Menschen zusammengekommen sind, die Musik genießen wollen, statt sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Diese Atmosphäre trägt mindestens genauso viel zum gelungenen Abend bei wie die Band selbst.

Umso größer ist die Enttäuschung, als nach gerade einmal einer Stunde schon Schluss ist. Eben war man noch mitten im Konzert, hatte sich auf die Musik eingelassen und war gedanklich schon beim nächsten Song – und plötzlich ist der Abend vorbei. Man bleibt ein wenig verdutzt zurück und fragt sich, ob da nicht noch etwas hätte kommen müssen. Ein paar Songs mehr, ein längerer Ausflug in den Post-Punk-Wahnsinn, vielleicht einfach noch ein bisschen mehr Zeit mit dieser Band.

Natürlich darf man dabei nicht vergessen, dass Grandmas House gerade ihr Debütalbum präsentieren. Da ist noch Raum für Entwicklung, für längere Sets und für jene Momente, in denen eine Band ihre eigene Dynamik noch weiter ausreizt. Trotzdem hinterlässt der kurze Auftritt das Gefühl, dass hier etwas zu früh abgebrochen wurde. Nicht, weil das Konzert schlecht gewesen wäre – ganz im Gegenteil. Sondern weil es gerade dann endet, wenn man so richtig angekommen ist.

Grandmas House haben an diesem Montagabend jedenfalls bewiesen, dass Post-Punk nicht nur laut, kantig und wütend sein kann, sondern auch wunderbar humorvoll, herzlich und mitreißend. Vier Musikerinnen, die ihr Publikum mit Spielfreude und trockenem Humor für sich gewinnen, dazu ein kleines Substanz und eine Atmosphäre, in der man sich einfach wohlfühlt. Der Abend war viel zu kurz, aber die Vorfreude auf ein Wiedersehen ist dafür umso größer. Beim nächsten Mal dann bitte mit ein paar Songs mehr.

19.10.2026 | Substanz | München

© t u n e a r t / Käthe deKoe