Endlich wieder Temples! Nach all der Zeit stand die britische Psychedelic-Rock-Band wieder auf einer Münchner Bühne. Das letzte Mal, dass ich sie bewusst in München erlebt habe, war 2019. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an den Abend im ausverkauften Strom. Schließlich verbindet man mit Temples diesen ganz eigenen, authentischen Sound, der einen mühelos in psychedelische Klangwelten entführt. Doch diesmal blieb neben der Freude über das Wiedersehen auch ein wenig Ernüchterung zurück.
Mit ihrem neuen Album Bliss schlagen Temples offenbar eine etwas andere Richtung ein. Der Sound wirkt stellenweise wie eine Mischung aus Tame Impala und Greta Van Fleet – durchaus eingängig, aber eben auch weniger eigenständig als das, was man von der Band in Erinnerung hat. Wo früher eine unverwechselbare Handschrift zu hören war, schleicht sich inzwischen gelegentlich das Gefühl ein, dass Temples eher nach anderen klingen, als ganz sie selbst zu sein. Vielleicht gehört Veränderung dazu, vielleicht ist es auch einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks. Trotzdem bleibt die leise Hoffnung, dass sie sich bei all den neuen Einflüssen nicht selbst verlieren.
Umso schöner waren die Momente, in denen die Band ihre älteren Songs auspackte. Plötzlich war sie wieder da, diese besondere Atmosphäre, wegen der man Temples einst ins Herz geschlossen hat. Bei den vertrauten Stücken schien die Band ganz bei sich zu sein – und genau dann machte der Abend besonders viel Spaß. Es war, als würde man kurz daran erinnert, was diese Band so besonders gemacht hat. Mehr davon, bitte!
Weniger überzeugend geriet dagegen manches, was offenbar für die große Geste sorgen sollte. Die wiederholte Aufforderung, bei einem Song die Handylichter einzuschalten, wirkte beispielsweise eher aufgesetzt als emotional. Solche Momente können wunderbar funktionieren, wenn sie sich organisch aus der Musik und der Stimmung des Abends ergeben. Hier fühlte es sich allerdings ein wenig nach einer einstudierten Konzertdramaturgie an, die man schon zu oft gesehen hat. Gerade bei einer Band, die man früher für ihre Authentizität geschätzt hat, fällt so etwas besonders auf. Was bei einer noch jungen Band mit wenig Bühnenerfahrung vielleicht charmant und verständlich wäre, wirkte bei Temples eher wie ein unnötiger Versuch, einen großen Konzertmoment zu erzeugen, statt ihn einfach entstehen zu lassen.
Dabei gab es durchaus Anzeichen dafür, dass sich die Musiker auf der Bühne wohlfühlten. Immer wieder tauschten sie untereinander Blicke aus, lächelten sich an und schienen sich gegenseitig ein wenig zu necken. Diese kleinen, unaufgeregten Momente wirkten ehrlich und machten Spaß. Sie zeigten eine Band, die miteinander vertraut ist und offenbar Freude daran hat, gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Genau solche Augenblicke braucht es manchmal gar nicht, um eine Verbindung zum Publikum herzustellen. Ein Blick, ein Grinsen, ein kurzer Moment zwischen zwei Songs – das kann mehr erzählen als jede Aufforderung, das Smartphone in die Höhe zu halten.
Eine Frage bleibt allerdings noch offen: Hat eigentlich jemand mitgezählt, wie oft an diesem Abend die Gitarren gewechselt wurden? Gefühlt gab es für beinahe jeden Song ein neues Instrument. Vielleicht steckt dahinter eine ausgeklügelte klangliche Entscheidung, vielleicht ist es einfach die Liebe zur passenden Gitarre für jeden einzelnen Track. So oder so wurde der Instrumentenwechsel beinahe zu einer eigenen kleinen Nebenattraktion.
Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck von einem Konzert, auf das ich mich wirklich gefreut hatte. Temples können es noch immer, besonders dann, wenn sie sich auf ihre eigenen Stärken besinnen. Die Spielfreude war spürbar, die Band wirkte untereinander vertraut, und die alten Songs erinnerten daran, warum man sie überhaupt so gerne hört. Gleichzeitig fehlte mir an manchen Stellen genau jene Eigenständigkeit und Unmittelbarkeit, die sie früher ausgemacht hat.
Vielleicht ist es unfair, von einer Band zu erwarten, dass sie für immer dieselbe bleibt. Künstlerische Entwicklung gehört schließlich dazu. Aber Veränderung muss nicht bedeuten, dass man sich in vertrauten Mustern anderer Bands verliert oder Konzertmomente nach Schema F inszeniert.
Temples, bitte bleibt ein bisschen mehr ihr selbst. Ihr habt euren eigenen Sound, eure eigene Geschichte und Songs, die für sich sprechen. Ihr müsst niemand anderes sein – und schon gar nicht das Publikum daran erinnern, wie man mit Handylichtern einen emotionalen Moment erzeugt. Lasst lieber die Musik sprechen. Die kann das nämlich ziemlich gut.

























24.10.2026 | Strom | München
© t u n e a r t / Käthe deKoe






