Und wieder einmal stand man in München vor diesem Luxusproblem: mehrere spannende Konzerte am selben Abend. Die Auswahl fiel alles andere als leicht, doch am Ende entschied ich mich für Geese. Eine Entscheidung, die zumindest teilweise belohnt wurde.
Den Auftakt machten Westside Cowboy, eine noch sehr junge Band, die man unbedingt im Auge behalten sollte. Von der ersten Minute an war spürbar, wie sehr sie für ihre Musik brennen. Sie spielten mit einer Energie, die viele etablierte Acts alt aussehen lässt. Es wurde gesprungen, geschwitzt und alles gegeben – sogar eine Brille musste im Eifer des Gefechts daran glauben. Genau so stellt man sich einen perfekten Support-Act vor: roh, leidenschaftlich und mitreißend.
Der Headliner Geese reist derzeit mit viel Rückenwind durch Europa. Die Band aus New York wird aktuell stark gehypt, sammelt Preise ein und konnte zuletzt sogar einen Brit Award als beste internationale Band gewinnen. Entsprechend groß war das Interesse: Das Backstage Werk war komplett ausverkauft.
Auch das Publikum spiegelte diesen Hype wider. Im Raum versammelte sich eine erstaunlich bunte Mischung aus der Münchner Kulturszene: sehr schlicht gekleidete Indie-Fans neben extravaganten Gestalten, junge Studierende neben älteren Musikliebhabern. Und natürlich traf man – wie so oft bei solchen Konzerten – an jeder Ecke bekannte Gesichter aus der Münchner Musikszene.
Trotz dieser Erwartungshaltung blieb jedoch eine gewisse Ratlosigkeit im Raum. Geese sind ohne Zweifel eine gute Band. Sie haben drei oder vier wirklich starke Songs im Repertoire, die live hervorragend funktionieren und teilweise sogar angenehm bluesige Elemente einstreuen. Doch darüber hinaus stellte sich bei vielen im Publikum das Gefühl ein, dieses Genre schon von anderen Bands intensiver und emotionaler erlebt zu haben.
Hinzu kam, dass die Band zu Beginn ihres Sets etwas lustlos wirkte. Die Musiker standen auf der Bühne, als wären sie gerade erst aufgestanden: Schlapperpullis, müde Blicke, wenig Bewegung. Die Energie wollte zunächst nicht so recht überspringen.
Eine Ausnahme bildete allerdings der Gitarrist, der mit seinem Spiel und seiner Präsenz deutlich herausstach. Ihm zuzusehen machte großen Spaß und brachte zumindest etwas Dynamik auf die Bühne.
Dem Publikum schien das alles allerdings egal zu sein. Schon beim ersten Song bildete sich ein Moshpit vor der Bühne – ein klares Zeichen dafür, dass die Menge bereit war, sich treiben zu lassen.
Am Ende bleibt ein gemischter Eindruck: ein fantastischer Support-Act, eine gehypte Band mit einigen wirklich starken Songs – aber auch das Gefühl, dass hier vielleicht mehr erwartet wurde, als letztlich geliefert werden konnte. Dennoch: Ein unterhaltsamer Abend im Backstage Werk war es allemal.




































12.03.2026 | Backstage Werk | München
© t u n e a r t / Käthe deKoe






