Zehn Jahre ist es her, seit Adam Green zuletzt in München auf der Bühne stand. Entsprechend groß war die Vorfreude – und entsprechend nostalgisch die Stimmung im Saal. Für viele Millennials war es weniger ein Konzert als vielmehr eine musikalische Zeitreise zurück in die Nullerjahre, in eine Ära zwischen Indie-Romantik, exzessiven Nächten und hymnischen Mitsing-Momenten.
Als Support brachte Green seinen langjährigen Weggefährten Turner Cody mit. Optisch wirkte er wie ein Countrysänger aus dem Bilderbuch: Baseballcap, Sonnenbrille, Rauschebart, Gitarre, lässige Bühnenpräsenz. Doch wer bei diesem Anblick konservative Lagerfeuerromantik erwartete, wurde schnell eines Besseren belehrt. Codys Texte sind klug, ironisch und alles andere als rückwärtsgewandt.
Mit sympathischer Offenheit entschuldigte er sich zu Beginn seines Sets beim Publikum – am Vorabend sei wohl das ein oder andere Bier zu viel geflossen. Der Performance schadete das keineswegs. Im Gegenteil: Cody lieferte eine musikalisch dichte und charismatische Show, die das Publikum bestens auf den Hauptact einstimmte.
Als Adam Green schließlich die Bühne betrat, begrüßte er seine Fans ganz persönlich – mit Handschlag in der ersten Reihe. Eine Geste, die Nähe schafft und zeigt, wie sehr er seine treue Anhängerschaft schätzt.
Seine größten musikalischen Momente hatte Green zweifellos in den 2000er-Jahren. Damals umwehte ihn der klassische Rock’n’Roll-Mythos: lange Nächte, viel Alkohol und ein Lebensstil, der in Songs wie Drugs zumindest anklingt. Heute wirkt davon vor allem noch die Attitüde nach – gealtert ist er kaum. Ein paar graue Strähnchen vielleicht, doch auf der Bühne ist er nach wie vor ein Energiebündel. Er hüpft, springt und fegt von einer Seite zur anderen, als wären die letzten zehn Jahre spurlos an ihm vorbeigegangen.
Die Setlist ließ keine Wünsche offen. Klassiker wie Emily und Friends of Mine wurden begeistert mitgesungen – textsicher und voller Inbrunst. Spätestens bei den Zugaben erreichte der Abend seinen emotionalen Höhepunkt: Jessica durfte ebenso wenig fehlen wie Dance with Me. Letzterer wurde inklusive tanzendem Publikum auf der Bühne zelebriert – ein ausgelassener, fast intimer Moment zwischen Künstler und Fans.
So euphorisch der Abend insgesamt war, gab es doch einen störenden Faktor: In der ersten Reihe fiel eine stark alkoholisierte Person unangenehm auf. Nicht nur für die Menschen in unmittelbarer Nähe, sondern auch für mich als Fotografin wurde die Situation zunehmend unerquicklich. Die gewohnte Konzentration beim Arbeiten war unter diesen Umständen leider nicht möglich. Schade – denn gerade bei einem Künstler wie Adam Green lebt die Fotografie von den spontanen, energiegeladenen Momenten.
Trotz dieses kleinen Dämpfers bleibt das Fazit klar: Adam Greens Rückkehr nach München war ein rauschendes Fest der Erinnerung – ein Abend voller Nostalgie, Energie und gemeinsamer Begeisterung. Hoffentlich vergehen bis zum nächsten Besuch keine weiteren zehn Jahre.































15.02.2026 | Ampere | München
© t u n e a r t / Käthe deKoe






