Noch nie war das Wort Support so treffend wie an diesem Abend. Bevor Big Thief die Bühne betraten, stellte die Band den ghanaischen Künstler Ata Kak vor, der weit mehr als nur ein klassischer Voract war. Mit einer eigenwilligen Mischung aus Dancehall, elektronischen Beats und einem Rap-Stil, der stellenweise an Scatman John erinnerte, brachte er die Tonhalle früh in Bewegung. Seine energiegeladene Performance wirkte wie ein perfekter Anheizer und sorgte für ausgelassene Stimmung im Saal.
Die Wertschätzung beruhte dabei auf Gegenseitigkeit: Als Big Thief schließlich die Bühne betraten, wurden sie von Ata Kak herzlich angekündigt – ein Moment, der die familiäre Atmosphäre des Abends bereits vorwegnahm.
Das Publikum spiegelte die besondere Stellung der Band wider. Menschen unterschiedlichsten Alters waren gekommen, vereint durch ihre Begeisterung für die Musik von Big Thief. Man hatte das Gefühl, jede Person im Saal würde mindestens einen Song mit einer ganz persönlichen Geschichte verbinden. In den ersten Reihen wurde begeistert gekreischt, während weiter hinten die erfahrenen Konzertgänger aufmerksam lauschten. Doch unabhängig vom Alter oder der Konzertbiografie teilten alle dieselbe Hingabe.
Gerade das macht ein Konzert von Big Thief so besonders: Man hat nie das Gefühl, einer perfekt durchinszenierten Show beizuwohnen. Stattdessen wirkt es, als dürfe man einer privaten Jam-Session lauschen. Die Band begegnet ihren Songs mit einer spürbaren Liebe und Aufrichtigkeit. Jeder Ton scheint aus echter Leidenschaft für die Musik zu entstehen. Diese Unmittelbarkeit erzeugt eine emotionale Intensität, der man sich kaum entziehen kann. Nicht wenige Tränen dürften an diesem Abend geflossen sein – zu viel Gefühl lag in den Arrangements, den Stimmen und den stillen Momenten zwischen den Liedern.
Umso größer war die Freude darüber, Big Thief endlich wieder in München erleben zu können. Seit 2023 hatte die Band die Stadt nicht mehr besucht, und die ausverkaufte Tonhalle zeigte eindrucksvoll, wie sehr sie vermisst worden war. Besonders spannend war dabei die Gelegenheit, erstmals auch Songs des 2025 erschienenen Albums Double Infinity live zu hören. Die neuen Stücke fügten sich nahtlos in das Repertoire ein und bestätigten einmal mehr, warum Big Thief zu den faszinierendsten Bands ihrer Generation zählen.
Am Ende blieb das Gefühl, nicht einfach ein Konzert besucht zu haben, sondern Teil eines besonderen, gemeinsamen Moments gewesen zu sein – getragen von Musik, Emotionen und einer bemerkenswerten Nähe zwischen Band und Publikum.

15.06.2026 | TonHalle | München
© t u n e a r t / Käthe deKoe