Giant Rooks

Große Gesten, echte Gefühle und ein Hauch Intimität

Manchmal ist es faszinierend, eine Band über Jahre hinweg zu begleiten – und zu sehen, was aus ihr geworden ist. Giant Rooks habe ich 2017 zum ersten Mal erlebt, damals noch mittags beim Puls Open Air und später als Support von The Mighty Oaks. Seitdem ist viel passiert. Aus der Band, die damals noch auf dem Weg nach oben war, ist ein international erfolgreicher Act geworden, der längst auch über Deutschland hinaus, bis nach Übersee, seine Spuren hinterlassen hat. Dass das Zenith nun ausverkauft ist, überrascht also kaum. Und doch ist es beeindruckend, diese Entwicklung aus der Nähe mitverfolgen zu können.

Bevor Giant Rooks die Bühne übernehmen, gehören die ersten musikalischen Momente des Abends den Dreamboys the Band. Die vier Frauen überzeugen mit grandiosen Stimmen und einem verträumten, poppigen Dream-Pop-Sound, der sich angenehm zwischen Leichtigkeit und Melancholie bewegt. Ein Auftritt, der neugierig macht und Lust auf mehr hinterlässt. Es würde jedenfalls nicht überraschen, wenn man in Zukunft noch häufiger von ihnen hört.

Schon während der Umbaupause wird deutlich, dass dieser Abend nicht nur musikalisch, sondern auch visuell durchdacht ist. Vor der Bühne erstreckt sich ein Vorhang, auf den Wolken und Vögel projiziert werden. Die Vögel fliegen auf das Giant-Rooks-Logo zu, lassen sich darauf nieder und machen selbst aus dem Warten auf den Hauptact einen Teil der Inszenierung. Alles wirkt ästhetisch, sorgfältig komponiert und angenehm unaufgeregt. Keine überladene Show, sondern ein stimmiges Zusammenspiel aus Licht, Projektionen und Bühnenbild.

Als Giant Rooks schließlich ihr erstes Lied spielen, bleibt der Vorhang zunächst geschlossen. Hinter dem Stoff zeichnen sich die Silhouetten der Musiker ab, durchbrochen von Lichtreflexen, die das Geschehen auf der Bühne nur erahnen lassen. Erst nach und nach wird die Band sichtbar. Im Hintergrund hängt ein weiterer Vorhang, auf dem ein Kameramann die Musiker live einfängt. Die Bilder werden unmittelbar auf die Fläche projiziert und ergänzen das Geschehen, ohne ihm die Show zu stehlen. Die gesamte Bühne wirkt klassisch, beinahe zeitlos ästhetisch inszeniert – und passt damit hervorragend zur Musik der Band.

Musikalisch sind Giant Rooks erwachsener geworden. Die ganz große Aufbruchstimmung von damals ist einer gewissen Souveränität gewichen. Trotzdem haben sich die fünf Musiker etwas bewahrt, das bei einer solchen Karriere leicht verloren gehen könnte: ihren Charme und eine spürbare Demut. Trotz ausverkaufter Hallen und internationaler Erfolge wirken sie nicht, als hätten sie vergessen, wo sie einmal angefangen haben.

Natürlich gibt es große Gesten, viel Bewegung und jede Menge Bühnenpräsenz. Es wird nicht einfach nur Musik gespielt, sondern performt. Bei deutschen Musiker*innen kann eine solche Inszenierung manchmal etwas einstudiert oder gewollt wirken. Bei Giant Rooks hingegen entsteht dieser Eindruck kaum. Die Energie wirkt ehrlich, die Begeisterung echt. Man nimmt den jungen Männern ab, dass sie nicht bloß wissen, wie man eine große Show spielt, sondern dass sie tatsächlich fühlen, was sie da tun. Sie haben Freude an ihrer Musik, an der Bühne und an dem Moment. Und genau das überträgt sich auf das Publikum.

Dass dabei auch Platz für spielerische Momente bleibt, gehört zum Charme des Abends. Es wird auf Klavieren getanzt, und mit einem Oasis-Cover schlagen Giant Rooks eine Brücke zu einer Band, deren musikalischer Einfluss bis heute nachhallt. Zwischen großen Gesten und ausgelassener Bewegung bleibt die Show abwechslungsreich, ohne ihre ästhetische Linie zu verlieren.

Einer der schönsten Momente folgt allerdings abseits der großen Bühne. In der Nähe des FOH, also des Mischpults, wartet eine kleine Bühne auf ihren Einsatz. Dort versammeln sich Giant Rooks für einen akustischen Auftritt, während im Publikum unzählige Handys leuchten. Plötzlich ist da diese besondere Intimität, die in einer ausverkauften Halle eigentlich kaum möglich scheint. Die Distanz zwischen Band und Publikum schrumpft, die große Produktion tritt in den Hintergrund. Stattdessen stehen die Musik und das gemeinsame Erleben im Mittelpunkt.

Gerade dieser Kontrast macht den Moment so besonders: Eben noch große Bühne, ausgefeilte Lichtstimmungen und Liveprojektionen, jetzt ein beinahe privates Konzert mitten in der Menge. Für einen Augenblick fühlt es sich an, als würde die Band nicht vor Tausenden Menschen spielen, sondern nur für einen kleinen Kreis. Die Handylichter schaffen eine Atmosphäre, die ohne viel Aufwand auskommt und gerade deshalb funktioniert.

Vielleicht ist es genau diese Mischung, die Giant Rooks inzwischen ausmacht. Sie können die große Bühne, die sorgfältig choreografierte Show und die beeindruckenden Bilder. Gleichzeitig schaffen sie es, sich nicht hinter all dem zu verstecken. Unter der professionellen Inszenierung steckt noch immer eine Band, die ihre Musik mit Überzeugung spielt und sich die Freude daran bewahrt hat.

2017 waren Giant Rooks für mich noch eine Band, die man mittags auf einem Festival oder im Vorprogramm entdecken konnte. Heute füllen sie das Zenith. Dazwischen liegen Jahre voller Entwicklung, internationale Konzerte und ein Publikum, das mit ihnen gewachsen ist – oder sie erst auf diesem Weg entdeckt hat. Dass sie dabei ein Stück ihrer ursprünglichen Leichtigkeit und Demut behalten haben, ist vielleicht ihr größter Erfolg.

Ein ausverkauftes Zenith, große Bilder, große Gesten und zwischendurch ein kleiner, intimer Moment im Lichtermeer der Handys: Giant Rooks zeigen, wie sich eine Band weiterentwickeln kann, ohne ihre Seele an die große Bühne zu verlieren.

09.10.2026 | Zenith | München

© t u n e a r t / Käthe deKoe